Igel-Familienzeit im August und September

Schützen Sie unseren heimischen Wildtiernachwuchs und bieten Sie ihm ein sicheres Zuhause

 

80% aller Igelkinder in unserer Region werden im August oder September geboren. Als Nesthocker sind sie sämtlichen Umwelteinflüssen zunächst hilflos ausgesetzt. Igel kommen nach gut 35 Tagen Tragzeit bereits mit Stacheln zur Welt und sind etwa 15 Gramm schwer,  nackt und blind. Erst nach drei bis vier Wochen unternimmt die Mutter mit ihnen die ersten gemeinsamen Ausflüge. Nun werden die Kleinen Schritt für Schritt immer selbstständiger.  Für eine geschützte Wohnstube brauchen ein Nestmaterialien wie Laub, Schilfabschnitte, Moos, Gräser, Heu und Stroh. Viele Gartenbesitzer rechen bereits im August und September das erste Laub, um ihre Gärten "besenrein" zu halten. Helfen Sie dem Igel, indem Sie ihm die Chance geben, sich ein Nest im Garten zu bauen. Es reicht dabei vollkommen aus, das Nistmaterial unter einer Hecke zu platzieren. Auch kleinere Äste sind für die Stabilität des Nestes von enormer Bedeutung und daher eine große Unterstützung für den Igel.

Desweiteren sollten Sie bei der Gartenarbeit in nächster Zeit die Augen und Ohren offen halten. Eine Laubanhäufung in der Hecke etwa kann ein Indiz dafür sein, dass ein Igelweibchen dort seine Jungen großzieht, und wenn Sie abends oder nachts Vogelgezwitscher vernehmen, handelt es sich vielleicht um ein nach der Mutter rufendes Junges handeln. Sollten Sie in nächster Zeit bei Aufräumarbeiten auf ein Igelnest mit jungen Stachelrittern stoßen, verhalten Sie sich bitte wie folgt:

1) Die Jungigel nicht berühren

2) Auch das Igelnest möglichst nicht berühren; falls Sie den vorherigen Schutz ausversehen entfernt haben, das Nest so gut es geht provisorisch vor Witterungseinflüssen abdecken

3) Die im Nest sitzenden Jungtiere keinesfalls umbetten

4) Beobachten, ob das Alttier zum Nest zurückkehrt bzw. wie es sich verhält

5) In der Regel bettet die Igelmutter ihre Jungen selbstständig um

 

Igelweibchen bevorzugen für ihre Jungtieraufzucht Wohnstuben, die z.B. unter Holzstapeln und -paletten liegen. Auch große Blumenkübel oder Terrakottatöpfe werden gerne genutzt. Wenn Sie Igeljunge oder - babys entdecken, ist es daher essentiell, den oben aufgeführten Fünfschritt zu beachten. Damit können Sie zumindest ansatzweise gewährleisten, dass die Familie nicht auseinander gerissen wird. In aller Regel klappt diese Vorgehensweise sehr gut, eine hundertprozentige Garantie gibt es leider nicht.

 

Bitte handeln Sie nicht vorschnell und beobachten Sie mehrere Stunden, ob die Mutter nicht doch zu ihren Jungen zurückkehrt. Nackte Igelkinder, die tagsüber nicht in einem Nest, sondern in freier Natur aufgefunden werden, bedürfen in aller Regel Hilfe. Allerdings muss auch hier - ebenso wie bei (nackten) Igelkindern im Nest - eine intensive Beobachtung vorausgegangen sein. Igelmütter distanzieren sich bei der Jungtieraufzucht auch tagsüber von ihrem Nest, um Kraft zu tanken. Allerdings halten sie sich nicht weit vom Nest entfernt auf und sollten auch nach kurzer Zeit wieder ins Nest zurückkehren. Es ist extrem schwierig, eine pauschalisierte und damit korrekte Empfehlung auszusprechen, wie mit Igelbabys und Igeljungen umgegangen werden soll. Bevor Sie aktiv werden und sich unsicher sind, setzen Sie sich mit igelkundigen Beratungsstellen in Verbindung und lassen sich ausführlich beraten. 

Sollten den Igeln in Ihrem Garten keine natürlichen Unterschlupfmöglichkeiten zur Verfügung stehen, kann auch ein Igelfertighaus als Wohnstube dienen. Im Herbst kann man dieses zu einem Futterhaus umfunktionieren. Die Bauanleitung finden Sie unter igel-in-bayern.lbv.de/igelhaus-igelburg-futterhaus-bauanleitungen/, ebenso wie eine detailierte Beschreibung, an welcher Stelle im Garten die Behausung aufgestellt werden soll. Diese Futterstellen dienen vor allem Jungigeln, die sich im Spätherbst notwendige Fettreserven für den Winter anfressen müssen, als Anlaufstellen. Von einer Ganzjahresfütterung wird deshalb abgeraten.

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