Auf der Suche nach der Waldbirkenmaus im Bayerischen Wald

Die Waldbirkenmaus (Sicista betulina) zählt zu den seltensten Säugetieren Mitteleuropas. Der letzte Nachweis aus dem Bayerischen Wald stammte aus den 90er Jahren. Danach wurde es fast 20 Jahre still um den kleinen Nager mit dem dekorativen dunklen Aalstrich bis das Landesamt für Umwelt (LfU) in den europäischen Schutzgebieten, die zum Natura 2000-Netz gehören damit begann, intensiver nach Vorkommen zu suchen. Tatsächlich wurde nachgewiesen, dass die Waldbirkenmaus an einigen wenigen Stellen im Bayerischen Wald immer noch vorkommt. Die beiden Verbände LBV und BUND Naturschutz beschlossen daraufhin Ende 2017, gemeinsam die Such aktiv zu unterstützen, um die Wissenslücken um das seltene Relikt aus der lange zurückliegenden Eiszeit zu schließen.

Dabei hat sich der Einsatz durchaus gelohnt: Bisher gelang es jedes Jahr Waldbirkenmäuse auf einer neuen Untersuchungsfläche nachzuweisen. Nebenbei wurden auch weitere bemerkenswerte Arten auf den Kameras festgehalten, wie Zwergspitzmaus, Alpenspitzmaus, Zwergmaus, Bekassine und Baummarder. Je mehr über die Verbreitung und die Ansprüche seltener Arten bekannt ist, umso besser. Denn nur so können wertvolle Flächen gezielt erhalten und optimiert werden.

 

Steckbrief Waldbirkenmaus

Waldbirkenmaus, Foto: Dr. Richard Kraft
Waldbirkenmaus, Foto: Dr. Richard Kraft
  • Sicista betulina
  • 50-72 mm von Kopf-Rumpf
  • Schwanz etwa 1,5 mal so lang wie der Körper
  • 5-11g leicht
  • markanter dunkler Strich auf dem Rücken (Aalstrich)
  • dämmerungs- und nachtaktiv
  • aktiv von Mai-Oktober, Rest des Jahres Winterschlaf
  • nur 1 Wurf/Jahr mit bis zu 6 Jungen
  • Eiszeitrelikt bei uns im Bayerischen Wald und in den Alpen
  • in Gebieten mit Mooren, Hochstaudenfluren, Wäldern und Feuchtwiesen als buntem Komplex
  • fressen Samen, Beeren, Insekten und Larven
  • Rote Liste By 2, D 1, FFH-Anhang IV

 

 

Vorsicht Fotofalle!

Wildtierkameras helfen bei der Kleinsäugersuche, Foto: R. Hofmann
Wildtierkameras helfen bei der Kleinsäugersuche, Foto: R. Hofmann

Insgesamt 20 Wildtierkameras werden jedes Jahr in drei bis vier ausgewählten Moorgebieten des Bayerischen Waldes aufgestellt: untersucht wurden bisher elf Flächen in den Landkreisen Regen und Freyung-Grafenau. In der Zeit von Mai/Juni bis September/Oktober erfassen die Apparate jedes Jahr zwischen 200.000 und 600.000 verwertbare Fotos mit Tieraufnahmen. Die Speicherkarten werden von den ehrenamtlich Aktiven des BUND Naturschutz und des LBV im zweiwöchigen Rhythmus gewechselt. Zur Auswertung kommt dann David Stille aus Tutzing zum Einsatz. Kleinsäuger zu unterscheiden ist für Laien nicht ganz einfach. Deshalb ist es wichtig, hier qualifizierte Unterstützung von einem Fachmann zu haben.

Gemeinsam erfolgreich!

Gemeinsam aktiv auf der Suche nach der Waldbirkenmaus, Foto: Stille
Gemeinsam aktiv auf der Suche nach der Waldbirkenmaus, Foto: Stille

Durch das Miteinander von ehrenamtlich und hauptamtliche Aktiven der beiden Verbände, Spezialisten und regionalen und überregionalen Behörden gelingt es das dritte Jahr in Folge den  ganzen Sommer lang Daten zu sammeln und auszuwerten.  Robert Hofmann von der höheren Naturschutzbehörde an der Regierung von Niederbayern unterstützte und begleitete das Projekt von Anfang an. Nur durch die Förderung der Regierung von Niederbayern aus Mitteln des Biodiversitätsprogrammes NaturVielfaltBayern des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz und das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder können die Verbände die spannende Herausforderung erfolgreich stemmen.


Hör doch mal rein!

Podcast des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz

Morgen beginnt heute - nimmt Sie mit auf eine Reise durch Bayern, an Orte, an denen bereits an Zukunfts- und Nachhaltigkeitsprojekten gearbeitet wird. 

In der von uns verlinkten Folge "Die Moore in Bayern - Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen" geht es u.a. um unsere Waldbirkenmaus und den Schutz ihrer Lebensräume. Dauer: ca. 20 min

Gäste in dieser Podcast-Episode: David Stille (Landschaftsökologe und Säugetierexperte), Sarah Pinther (Expertin für Moore und Auen, Regierung von Niederbayern).Moderation: Toni Scheurlen / Redaktion: Lara Grillmayer / Produktion: Carina Schwarz / Regie: Ralf Podszus

 

Schnappschüsse der besonderen Art

Auf der Suche nach der seltenen Waldbirkenmaus im Bayerischen Wald, gelingen uns immer wieder spannende oder auch amüsante Schnappschüsse verschiedener Arten, die sich auf den Untersuchungsflächen tummeln. Der Kleinsäugerspezialist David Stille wählt die besten Bilder für uns aus und erzählt ihre Geschichte:

Waldbirkenmaus

Waldbirkenmaus, Foto: David Stille
Waldbirkenmaus, Foto: David Stille

Wieder mal ertappt! Das sind die Highlights unseres Projektes: Wir haben wieder eine Waldbirkenmaus entdeckt!

 

Baummarder

Baummarder, Foto: David Stille
Baummarder, Foto: David Stille

Der Steinmarder ist jedem als “Auto-Schädling” ein Begriff. Im Gegensatz zu seinem Verwandten ist der Baummarder dem Menschen jedoch nicht in die Städte gefolgt. Langbeinig und kletterfreudig jagt er vor allem

 

Kleinsäuger, aber auch Vögel, Eier, Frösche und Weichtiere werden gefressen. Selbst Eichhörnchen verfolgt er behände bis in die Baumkronen. Seine Nestern legt der Baummarder bevorzugt in Baumhöhlen an.

Wegen seiner Größe kommen hier nur Höhlen des Schwarzspechts in Frage.

Jahrhundertelang war der Pelz des “Edelmarders” so begeht, dass die Pelzjagd die Bestände stark dezimiert hat. Heute macht dem Baummarder vor allem der Mangel an naturnahen Wäldern mit ausreichend altem Baumbestand zu schaffen.

Feldhase

gähnender Feldhase, Foto: David Stille
gähnender Feldhase, Foto: David Stille

 

Der Feldhase war früher in Deutschland eine weitverbreitete und häufige Art. Heute ist Meister Lampe vielerorts selten geworden. Besonders die intensivierte Landwirtschaft mit großen Wirtschaftsflächen, früherer und häufigerer Mahd und der Beseitigung von Feldrainen und -gehölzen setzt im zu - so sehr, dass er als gefährdete Art in der Roten Liste geführt wird. Im Gegensatz zum Wildkaninchen legt der Feldhase keine unterirdischen Bauten an, sondern ruht nur in sogenannten Sassen, flachen Mulden in der Vegetation.  Gerade Jungtiere sind deshalb in einer ausgeräumten Agrarlandschaft oft Pflug oder Mähdrescher schutzlos ausgesetzt.

 

Unser Feldhase muss sich darüber keine Sorgen machen -  Die LBV-Fläche am Teufelsbach wird extensiv mit Rotem Höhenvieh beweidet und stellt mit ihrem artenreichem Borstgrasrasen mit einzelnen Gehölzinseln einen optimalen Lebensraum dar.


Waldbirkenmaus

Waldbirkenmaus, Foto: David Stille
Waldbirkenmaus, Foto: David Stille

Nach ihr suchen wir im Bayerischen Wald!

 

Eine tolle Farbaufnahme von Dr. Richard Kraft und einen Steckbrief findet sich auf der Seite weiter oben.

Waldschnepfe

Waldschnepfe, Foto: David Stille
Waldschnepfe, Foto: David Stille

Die Waldschnepfe ist etwa taubengroß und mit ihrem rindenbraungemusterten Gefieder so gut getarnt, dass man sie kaum zu Gesicht bekommt. Hinzu kommt, dass sie vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv ist.

Der scheue Vogel bewohnt am liebsten feuchte, nicht zu dichte Wälder mit einer Kraut- und Strauchschicht und Lichtungen. Hier baut er sein Nest auf dem Boden und ernährt sich überwiegend von Würmern und Insekten.

Waldschnepfen gibt es in Bayern nur regional, z.B. in Spessart, Rhön, Steigerwald, der Frankenalb, den Alpen bis zur Waldgrenze, dem Oberpfälzer und Bayerischen Wald.

 

Die meisten Schnepfen, die in Deutschland brüten, ziehen im Winter nach West- oder Südeuropa.

 

Waldschnepfen dürfen in Deutschland zeitweise bejagt werden.